ACOR
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ACOR: ein Verband freier Traurednerinnen und Trauredner in der Romandie
ACOR ist die Association des célébrant·e·s et officiant·e·s romand·e·s, ein Verband unabhängiger Traurednerinnen und Trauredner in der Westschweiz mit Adresse an der 1 rue Fendt in 1201 Genf. Die Mitglieder gestalten Zeremonien ausserhalb religiöser Institutionen: Hochzeiten, Abdankungen, Willkommensfeiern für Kinder und andere Lebensübergänge. Auf der Startseite stellt sich der Verband so vor: "Professionnel·le·s indépendant·e·s, nous avons pour vocation de créer des cérémonies personnalisées et authentiques." Laut Website ist ACOR "Active depuis plus de 15 ans" und vereint "des célébrant.e.s qualifié.e.s et expérimenté.e.s".
Wichtig für ein Paar: ACOR selbst traut nicht. Man bucht eine der Célébrant·e·s, die auf der Website mit Namen und Wohnort aufgeführt sind, und der Verband gibt den gemeinsamen Rahmen vor. Die Website ist französisch, mit einer englischen Sprachversion. Für ein Paar aus der Deutschschweiz ist das eine echte Information: Ob einzelne Mitglieder auch auf Deutsch trauen, sagt die Website nicht, und das gehört in die erste Anfrage.
Die Haltung hinter den Zeremonien
Die Startseite beginnt beim Leben selbst: Es sei geprägt von Etappen wie "naissance, passage à la vie adulte, unions amoureuses, arrivée des enfants, séparations, retraite, mort", und Zeremonien helfen, diese symbolischen Schwellen bewusst zu überschreiten. Die Hochzeit ist in diesem Verständnis eine Etappe unter mehreren, und dieselben Menschen, die Paare trauen, begleiten auch Abschiede und Geburten. Der Verband begründet seine Arbeit zudem mit einer Beobachtung: "Vous êtes de plus en plus nombreux et nombreuses à souhaiter des célébrations hors institutions religieuses, reflétant votre diversité affective, culturelle et spirituelle." Die Célébrant·e·s begleiten Paare deshalb bei einer Zeremonie, die "forcément unique" sei, "puisqu'elle vous ressemble".
Drei Gründe nennt die Startseite für die Wahl eines ACOR-Mitglieds. Erstens die Erfahrung: Jede Célébrant·e verpflichte sich, Zeremonien zu gestalten "en tenant compte des valeurs, des traditions et des attentes spécifiques des familles". Zweitens ein ethischer Rahmen: Die Mitglieder unterschreiben eine "charte éthique rigoureuse" und verpflichten sich zu "une approche humaine, respectueuse, inclusive et non confessionnelle" sowie zu "un soutien sincère et professionnel, quel que soit le contexte émotionnel". Drittens das Netzwerk: ACOR sei "un réseau romand qui valorise l'échange de pratiques et l'entraide". Die Mitglieder tauschen sich also aus und lernen voneinander. Im Menü gibt es zudem eine Rubrik "Formation".
Wie eine Hochzeit mit einem ACOR-Mitglied abläuft
Die Seite Mariages beschreibt den Weg in wenigen Sätzen. Das Paar habe "la liberté de choisir le lieu enchanteur, le déroulement qui vous ressemble et l'atmosphère qui vous inspire". Die Célébrant·e·s begleiten "à chaque étape : de la rédaction de vos vœux à la sélection des musiques et des gestes qui rendront votre cérémonie mémorable". Das Ergebnis soll ein Moment sein, der "l'essence de votre amour" einfängt. Den Ort bestimmt also das Paar, nicht die Célébrant·e.
Die Startseite erklärt, warum das Zeit braucht. Man nehme sich Zeit, "d'échanger avec vous afin de capturer la singularité de vos relations et de vos souvenirs, pour que chaque mot, chaque geste ait du sens", und zwar "Loin des formules standardisées". Die Tarife umfassen laut Website "les rencontres avec vous et vos proches, la rédaction d'un projet unique, la gestion des aspects logistiques, ainsi que la présence et l'accompagnement le jour de la cérémonie". Zum Umfang gehören also Treffen mit dem Paar und seinen Nächsten, ein schriftlich ausgearbeiteter Ablauf, die Logistik und die Leitung der Zeremonie am Tag selbst.
Die Richttarife
ACOR legt seine Preisgrundlage offen. Die Seite Charte & Tarifs schreibt, der Verband empfehle seinen Mitgliedern "d'appliquer au minimum un tarif horaire de 80.- CHF". Als Richtwerte nennt er Pauschalen:
- Hochzeiten und andere Verbindungen: "environ 35 heures de travail", ab CHF 2'500.-
- Abdankungen: "environ 15 heures de travail", ab CHF 1'200.-
- Willkommensfeiern für ein Kind: "environ 15 heures de travail", ab CHF 1'200.-
Diese Beträge sind Empfehlungen des Verbands, keine Preise eines einzelnen Mitglieds. Sie können laut Website schwanken, "en fonction de plusieurs facteurs, notamment la complexité de la cérémonie, le nombre de participants et les demandes spécifiques". Der Verband verspricht "un devis clair et transparent". Zu den Reisekosten heisst es: "les frais de déplacement peuvent être inclus dans le forfait proposé ou facturés séparément, selon la localisation de la cérémonie", und man bemühe sich um eine Lösung, die "adaptée à votre situation géographique" sei. Die Statuten des Verbands kann man über das Kontaktformular anfordern.
Die Mitglieder und ihre Regionen
Auf der Seite Mariages sind 13 Célébrant·e·s aufgeführt, die laut Überschrift "formé.e.s pour célébrer votre union" sind: Edith Germanier in Lens VS, Luciano Musitelli in La Chaux-de-Fonds NE, Lucie Donzé in Les Emibois JU, Marianne Guéroult in La Grande Béroche NE, Nathalie Michlig in Blonay VD, Fabienne Mark in Clarens VD, Diane Agatha Schaefer in Lutry VD, Sonia Duc, Sonia Iodice, Julien Abegglen Verazzi, Andrés Allemand Smaller und Thibaut Lamunière in Genf sowie Matthias Neri in Grand-Saconnex GE. Der Schwerpunkt liegt damit im Kanton Genf und am Genfersee, mit einzelnen Mitgliedern im Wallis, im Jura und im Kanton Neuenburg. Unter den Artikeln der Website findet sich ein Porträt von Andrés Allemand Smaller und ein Bericht über eine "Cérémonie collective" in Genf, dazu ein Beitrag über eine "Journée Portes Ouvertes de l’ACOR", einen Tag der offenen Tür des Verbands.
Was die Website offenlässt
Die Website nennt nicht, in welchen Sprachen die einzelnen Mitglieder trauen. Sie beschreibt nicht, wie weit eine Célébrant·e für eine Zeremonie reist; sie sagt nur, dass Reisekosten je nach Ort in der Pauschale enthalten sein oder separat verrechnet werden können. Eine Vorlaufzeit, also wie früh man anfragen sollte, steht nicht auf der Website, ebenso wenig die Zahl der Treffen vor der Hochzeit. Die individuellen Tarife der Mitglieder zeigt die Seite nicht, nur die Empfehlungen des Verbands. Der Wortlaut der Ethik-Charta ist verlinkt, steht aber nicht auf der Tarifseite selbst.
Für welches Paar ACOR passt
ACOR passt zu einem Paar, das in der Romandie frei heiraten möchte und eine Traurednerin oder einen Trauredner sucht, die sich an gemeinsame ethische Regeln halten und ihre Preisgrundlage offenlegen. Die Richttarife helfen beim Budget, und die Liste der Mitglieder mit Wohnort erleichtert die Suche nach jemandem in der Nähe des Hochzeitsorts. Wer eine nicht konfessionelle, stark persönliche Zeremonie will, die auf Gesprächen mit Paar und Familie aufbaut, findet hier den richtigen Rahmen.
Weniger passend ist ACOR für Paare, die eine Zeremonie auf Deutsch wünschen, ohne vorher nachzufragen, und für Paare, die mit wenigen Stunden Vorbereitung auskommen wollen. Die empfohlenen rund 35 Stunden Arbeit sind der Kern des Angebots.